Mit der Aussicht auf eine große Modelkarriere fängt es an: Ein Modelscout spricht eine junge Frau an, macht Komplimente und prahlt von seinen Kontakten zu einflussreichen Branchengrößen. Was nach einer großen Chance klingt, ist für einige junge Frauen offenbar der Beginn eines Albtraums. Sie geraten in das manipulative Netzwerk des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, das er mit seinen mutmaßlichen Handlangern auch in Europa geknüpft hat. Die Recherchen von NDR und WDR für das investigative Doku-Format der ARD "team.recherche" decken in "Epstein Files: Jagd nach Models in Europa" auf, wie systematisch Jeffrey Epstein offenbar die europäische Modelbranche nutzte, um potenzielle Missbrauchsopfer zu finden, und wer ihm dabei mutmaßlich half. Zu sehen ab sofort in der ARD Mediathek. Betroffen waren junge, attraktive Frauen aus vielen europäischen Ländern. Sie wurden gezielt geködert, schickten Fotos an Scouts und wurden anschließend an Epstein vermittelt. Doch statt auf den Laufsteg hat der Weg bei einigen in die sexuelle Ausbeutung oder gar in ein jahrelanges Abhängigkeitsverhältnis geführt, erzählen Betroffene. Die Recherchen des Teams von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung zeigen erstmals das Ausmaß der Model-Masche: Durch die Auswertung der offiziellen Epstein-Akten des US-Justizministeriums und weiterer Dokumente konnten die Reporterinnen und Reporter mindestens 19 europäische Frauen namentlich identifizieren, die offenbar über diesen Weg zu Epstein gelangt sind. Experten gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. Insgesamt schätzt das US-Justizministerium die Zahl der Opfer weltweit auf mehr als 1000. Die monatelange Recherche führt das Investigativteam tief in die Strukturen eines Rings aus Vermittlern, Agenturen und Helfern - darunter mutmaßlich ein schwedischer Modelscout, der Fotos von über 50 Frauen an Epstein übermittelte und in den Jahren 2011 bis 2018 regelmäßig von Epstein bezahlt wurde. Er bestreitet, von Epsteins Missbrauch gewusst zu haben, und sieht sich selbst als Opfer. In einem exklusiven TV-Interview schildert Mara (Name geändert), die zu Epstein geflogen wurde, wie ihr Vertrauen missbraucht und ihre Hoffnung auf eine Modelkarriere ausgenutzt wurde. Anwälte und eine US-Ermittlerin nennen das Vorgehen Epsteins und seiner Helfer im Modelbusiness "modernen Menschenhandel". Die "team.recherche"-Doku bietet exklusive Einblicke in das europäische Netzwerk des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein und beleuchtet ein zutiefst erschütterndes Thema, das bis heute nachwirkt - denn während Epsteins Komplizin Ghislaine Maxwell verurteilt wurde, kam es für die mutmaßlichen Helfer in Europas Modelbranche bis heute nicht zu strafrechtlichen Konsequenzen.