Der Weg zur Regierungsbildung in Berlin ist um eine Volte reicher. Auslöser dafür ist ein PR-Debakel der Linken-Politikerin Elif Eralp mit dem Nachrichtenmagazin 'Der Spiegel', in dem sie Angst vor radikalen Pro-Palästina-Aktivisten geäußert haben soll. War es korrekt, dass der Spiegel die persönlichen Anmerkungen veröffentlicht hat? Jenseits dessen stellt sich die Frage: Ist Eralp für das Amt der Regierenden Bürgermeisterin in Berlin geeignet? Hat sie die Autorität und die Durchsetzungskraft für Sicherheit zu sorgen, wenn ihre Parteikollegen ausgerechnet mit Mitgliedern aus der Szene enge Kontakte pflegen? Wie groß ist das Problem der organisierten Kriminalität in der Hauptstadt, muss man sich ernsthaft Gedanken um das Gewaltmonopol des Staates machen? Seit Wochen steht Eralp in der Kritik, nicht entschieden genug gegen Parteimitglieder vorzugehen, die mit Vertretern von Clankriminellen und palästinensischen Terrororganisationen Verbindung haben. Die drei Parteien hatten sich bei ihren Sondierungsgesprächen auf eine klare Abgrenzung von jeder Form von Antisemitismus geeinigt, bei Verstößen sollte ein Parteiausschluss folgen. Noch immer ist offen, was mit der Abgeordnete Vanessa Emde passiert, die das Existenzrecht Israels indirekt in Frage stellt. Das belastet das Verhältnis der potenziellen Koalitionspartner untereinander. Umgekehrt gibt es aber Mitglieder in der Linkspartei, denen die Zugeständnisse von Elif Eralp an die beiden Koalitionspartner viel zu weit gehen. Dies gilt nicht nur beim Thema Antisemitismus, sondern auch, was die Enteignung von Wohnungskonzernen und die Stärkung von Polizei und Verfassungsschutz anbelangt. Noch ist unklar, ob eine Mehrheit der Delegierten beim Parteitag der Linken am Wochenende für Koalitionsverhandlungen stimmen. Wie wird der Mitgliederentscheid der Berliner SPD ausfallen? Hat das Bündnis überhaupt noch eine Chance oder ist das Experiment erledigt, bevor es sich beweisen kann?